Eindrücke vom 3. Bundesparteitag der AfD in Bremen vom 31.1. bis 1.2.2015



Unter den 1700 Teilnehmern des Bundesparteitags in Bremen befanden sich, mich eingeschlossen, auch drei Mitglieder unseres Kreisverbands Kleve. Man hatte sich bei der Bundes-AfD viel vorgenommen und, wohl auch aufgrund der Erfahrungen vergangener Parteitage, diesen über 2 ½ Tage angesetzt.


Los ging es am Freitag, 31.1.2015, gegen 18 Uhr. Wegen der erwarteten Teilnehmerzahl hatte man zwei ca. 15 Gehminuten auseinandergelegene große Säle (Stadthalle und ein Theater) gemietet und diese technisch so verbunden, dass beide Besetzungen die Vorgänge im jeweils anderen Raum simultan verfolgen konnten. Das hat gut geklappt.
Wir waren zu zweit, und weil wir in verschiedenen Hotels wohnten, vereinbarten wir, uns in der Stadthalle zu treffen. Nach einer flughafenähnlichen Personenkontrolle am Eingang ging es zur gut organisierten Registrierung, Feststellung der Stimmberechtigung und Ausstattung mit grünem Handgelenksband und verschiedenfarbigen Stimmkarten.
Im vollbesetzten Saal fuhr man nach der Begrüßungsrede mit den Formalien (Wahl der Mandatsprüfungskommission u.a.) fort. Nicht übermäßig spannend, und so verließen wir die Versammlung vor 21 Uhr, um am Rest des Abends nach einer kurzen Wanderung den Rastkeller durchzuprobieren. Dort wurde es nach 23 Uhr noch mal richtig voll, wobei uns einige Gesichter doch recht bekannt vorkamen.
Auch am Samstagvormittag war die Stadthalle prall gefüllt; es gab keinen Sitzplatz mehr. Die wenigen als frei erkennbaren Plätze entpuppten sich in allen Fällen als nach der Badehandtuchmethode belegt gekennzeichnet. Zahlreiche Geschäftsordnungsanträge von Rednern zu ertragen, die sich meist in erster Linie selbst hören wollten und die danach folgenden Abstimmungen strapazierten meine Geduld. Nur die erwartete Auseinandersetzung um die Gestaltung der Führungsspitze ließ mich bleiben.
Nach beeindruckenden Reden von Lucke, aber auch Adam und Petry setzte sich Lucke bekanntlich durch. Die von Lucke angestrebte Satzungsänerung bezüglich der Führungsspitze wurde mit überwältigender Mehrrheit (ca. 80%) verabschiedet. Er hatte sein Vorhaben damit begründet, dass die Partei hinsichtlich Führung und Organisation gestärkt werden müsse. Lucke hat dabei einen gewissen Vertrauensvorschuss erhalten. Die Reden wurden begeistert aufgenommen und wer hier auf eine Spaltung der Partei gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Es bleibt abzuwarten, ob er seine gestärkte Stellung nicht dazu missbrauchen wird, den von ihm bisher alles andere als gepflegten konservativen Flügel zu behindern anstatt zu fördern und es bleibt zu hoffen, dass es Lucke gelingt die unterschiedlichen Flügel der Partei zusammenzuhalten.

Um mir die oben erwähnten Selbstdarsteller weitgehend zu ersparen, hatte ich den Saal zeitweise verlassen und mich im Foyer aufgehalten – interessant: Neben einem kurzen Gespräch mit Herrn Dr. Gauland konnte ich den Medien (diverse Kamerateams, darunter auch das ZDF, sowie die schreibende Zunft) bei deren Arbeit zusehen.
Die Teilnehmer des Parteitages stellten insgesamt einen hinsichtlich Bildung, Beruf und Persönlichkeit einen weit überdurchschnittlichen Querschnitt unserer Gesellschaft dar. Allerdings waren neben höchstqualifizierten eben auch „einfache“ Leute dabei. Es fiel mir auf, dass z.B. das ZDF hauptsächlich nach Letzteren Ausschau hielt, um diese dann zu interviewen. Sie suchten, so mein Eindruck, nicht etwa nach kompetenten Persönlichkeiten, sondern wohl eher nach dem anderen Ende der Skala. Das von uns allen zwangsfinanzierte ZDF versuchte wohl, regierungsgenehme Eindrücke zu erzeugen (habe die von mir beobachteten Interviews aber in keiner der ZDF-Sendungen ausmachen können). Ich musste an den Mitte 2014 herausgekommenen ZDF-Umfragebetrug denken, dessen Schleimerei Frau Merkel wahrheitswidrig als beliebteste Deutsche darstellte.
Ganz anders dagegen die Nachrichtenagentur Reuters, deren charmante Korrespondentin Michelle Martin u.a. auch mich zu Fragen um die Griechenlandkrise, den Euro und die AfD interviewte. Leider habe ich meine Antworten nicht explizit auf der einschlägigen Reuters-Seite im Internet wiederfinden können.
Vom Foyer aus ergab sich ein guter Überblick auf den großen Platz „Bürgerweide“. Dort war im Anschluss an eine entsprechende Demonstration eine Versammlung gegen die AfD geplant. Vorsorglich war ein großes Polizeiaufgebot vorhanden, welches bei den Parteitagsteilnehmern hohe Erwartungen an eine bevorstehende Großdemonstration entstehen ließ. Die Wirklichkeit war dann doch eher enttäuschend: Mit einiger Verspätung zog der Demonstrationszug, eskortiert von viel, sehr viel Polizei, in Richtung Bürgerweide. Was waren das wohl für Leute, die an einer solchen Demonstration teilnahmen? Aus den Reihen unbeteiligter Zuschauer war die Einschätzung zu hören, dass, rechnete man die welch Grundes auch immer aus öffentlichen Kassen alimentierten Demonstranten heraus, von einer Demonstration wohl nicht viel zu sehen gewesen wäre.
7000 Demonstranten (darunter lt. Weser-Kurier Vertreter von Antifa, Flüchtlingsinitiativen, Parteien viele Gewerkschafter) sollen es nach den großmäuligen Verlautbarungen der Veranstalter gewesen sein, 3700 nach den Angaben der Behörde, „über 2000“ nach Aussage des erstaunlich objektiv berichtenden ZDF-Länderspiegels und noch kleiner erschien das Häufchen, wenn man die Bilder von der Bürgerweide betrachtet. Nach kurzer Zeit war der Spuk zu Ende. Viele der Naivchen haben wahrscheinlich auch bis heute noch nicht gemerkt, dass die AfD sich auch für ihre Interessen einsetzt.
Wenn eben möglich, werde ich beim nächsten Bundesparteitag wieder dabei sein.

 

Ehemaliger Kreisvorsitzender AfD KV Kleve

G. Plorin